Rhein-Lahn -
Die Pläne des Bundesverkehrsministeriums, die Bundeswasserstraßen anhand des Verkehrsaufkommens neu einzustufen, sorgen für Wut und Angst in der Lahnregion. Grund: Dem Fluss droht der Verlust des Status als Bundeswasserstraße. Obwohl das Ministerium gegenüber der RLZ betont, dass es sich bisher nur um Überlegungen handelt, sorgen diese für emotionalen Wellengang. Die Befürchtung: Der Bund will ein knallhartes Sparprogramm durchsetzen und künftig deutlich weniger als wie bisher jährlich 6 Millionen Euro in Pflege, Personal und Unterhaltung für die Lahn fließen lassen. Die Beschäftigten der Schleusen haben Angst um ihre Arbeitsplätze, die Personen- und Sportschiffer fürchten, dass die Lahn nicht mehr ausgebaggert wird und verschlammt, und die Touristiker und Kommunalpolitiker sehen die Attraktivität der Urlaubs- und Freizeitregion bedroht.
Die Berliner Pläne der Abstufung der Lahn schlugen ein wie ein Blitz: Die Folgen für die gesamte Region wären in diesem Fall unabsehbar. Daher wurde in Bad Ems von Manfred Kutscher, Initiator von "Pro Lahn" (Arbeitskreis zur Förderung des umweltfreundlichen Wassersports auf der Lahn), eine Krisensitzung mit allen Betroffenen einberufen. Wolfgang Schmitt, Inhaber der Personenschifffahrt "Lahnstolz" und somit von einer Statusveränderung der Lahn ebenfalls direkt betroffen, stellte eines seiner Schiffe als Versammlungsort zur Verfügung. Viele waren dem Ruf gefolgt, unter anderem die Landesverbände Motorbootsport von Rheinland-Pfalz und Hessen, der Motor-Wasserskisportklub Gießen-Oberlahn, die Motorbootklubs Bad Ems und Nassau, der Nautic-Club Mittellahn Limburg, der Laurenburger Bootsclub sowie zwei Vertreter der Gewerkschaft Verdi. Manfred Kutscher brachte den Grund des Zusammenkommens auf den Punkt: ",Pro Lahn’ tagt immer dann, wenn es brennt." Viel Unsicherheit herrschte unter den Betroffenen. Vom Wasser- und Schifffahrtsamt lag noch keine offizielle Stellungsnahme vor. Einigkeit herrschte unter den Anwesenden, dass oberstes Ziel mindestens die Erhaltung der Lahn in ihrem jetzigen Zustand sein muss. Sämtliche Nutzer, seien es Kanufahrer, Ruderer, Wassersportler oder auch Spaziergänger, sollen die Schönheit des Flusses weiterhin genießen können.
Um einer Abstufung entgegen zu wirken, wollen die Betroffenen vor allem an die Politik appellieren, sich für ihr Anliegen stark zu machen. "Wir müssen den Widerstand gegen eine Herabstufung auf breite Füße stellen", fordert Gisbert König, Präsident des Landesverband Motorbootsport Rheinland-Pfalz. Daher soll nicht nur die Bevölkerung auf das drohende Ungemach aufmerksam gemacht werden, sondern auch die Gemeinden sollen sprichwörtlich "mit ins Boot geholt werden", erklärt Heinz Scheyer vom Bootsclub Limburg. Wolf-Dieter Matern von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rhein-Lahn fordert den "Schulterschluss an der Lahn", um gemeinsam die Zukunft der Lahn zu sichern.
Die Anwesenden befürchten durch die Degradierung der Lahn zu einem Randnetz das Ende für die Personen- und Sportschifffahrt, da der Fluss dann nicht mehr regelmäßig ausgebaggert würde. Jürgen Joras, Touristikleiter beim ADAC Mittelrhein, wies außerdem auf die nachteiligen Auswirkungen durch die Entwidmung auf den Tourismus im Bereich der Lahn hin. Die ansässigen Gastronomien würden erhebliche Umsatzeinbußen verzeichnen, da diese vor allem von dem dortigen Wander- und Sporttourismus profitieren. Ähnliche Effekte würden sich für die Campingplätze ergeben, da die Lahn auch hier ein wesentlicher Standortvorteil ist. Durch die mögliche Abstufung würde das Lahntal keineswegs idyllischer, sondern insgesamt stark an Attraktivität verlieren, sind sich die Beteiligten sicher. Um dieses Schreckensszenario zu verhindern, sagte Berny Abt, Bürgermeister der Stadt Bad Ems, die volle Unterstützung zu.
(Quelle:Rhein-Zeitung 08.04.2011)
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