Westerwaldkreis -
Gewaltsame Übergriffe gegen Polizisten nehmen auch im Westerwald in ihrer Zahl und Schwere zu. "Wir beobachten, dass immer mehr Polizisten selbst zum Opfer von Straftaten werden", sagt der Leiter der Polizeidirektion (PD) Montabaur, Volker Schmidt.
Der aktuellen Polizeistatistik zufolge gab es im vergangenen Jahr 63 Widerstandsdelikte gegen Beamte. Im Jahr 2009 registrierte die Polizei 75 Gewaltdelikte gegen Polizisten, 2008 waren es 68 und im Jahr 2007 insgesamt 52 Fälle. Dabei wurde jeder fünfte Polizist verletzt, mancher sogar schwer. Eine interne Studie der Polizeidirektion Montabaur, die der WZ vorliegt, analysiert die Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte im Bereich der PD für das Jahr 2009.
Besorgniserregend, so Kriminaldirektor Schmidt , sei dabei vor allem die Brutalität der Übergriffe, bei denen die Beamten zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Einem Kollegen, schildert der PD-Leiter, wurde bei einem Polizeieinsatz in einer Wohnung die Glastür vor der Nase zugeschlagen. "Der Beamte fiel durch das Glas, erlitt lebensgefährliche Schnittwunden und verlor viel Blut. Es hat lange gedauert, bis er sich von den Verletzungen erholt hat und wieder arbeiten konnte", sagt Schmidt. "In 35 Jahren Polizeierfahrung habe ich Widerstände in dieser Qualität noch nicht erlebt", zieht der PD-Leiter ernst Bilanz.
Der Studie zufolge ereignen sich die Straftaten überwiegend am Wochenende und konzentrieren sich auf die Abend- und Nachtstunden. Dabei spielen Alkohol und Drogen in 85 Prozent der Fälle eine große Rolle. Andreas Bode, Kriminalhauptkommissar bei der PD Montabaur, schildert einen typischen Fall: "Zwei Kollegen wurden zu einer Schlägerei auf dem Westerburger Weihnachtsmarkt gerufen. Das Opfer blutete aus dem Mund. Als die Beamten die Personalien des Schlägers feststellen wollte, rannte das Opfer von hinten auf den Täter zu und hämmerte ihm ins Gesicht. Freunde stellten sich vor Täter und Opfer, alle waren betrunken. Die Situation drohte zu eskalieren", schildert Bode. Zügig forderten die zwei Polizisten Verstärkung an, um eine Massenschlägerei zu verhindern.
Auslöser der Gewalttaten, die männliche wie weibliche Polizeibeamte gleichermaßen betreffen, ist der Studie zufolge zu knapp einem Drittel die Festnahme des Täters; in einem guten Viertel der Fälle kam es schon bei der Klärung des Sachverhaltes oder der Aufnahme der Personalien zu plötzlichen Übergriffen. Kritisch sind auch Platzverweise (14,7 Prozent) und Blutentnahmen (10,7 Prozent). "Da wird gespuckt, um sich geschlagen, getreten, gekratzt und geboxt. Oft randalieren die Betrunkenen im Streifenwagen weiter", erzählt Bode. Die Beamten werden, so Bode, übelst beschimpft. Doch nicht alle reagieren derart aggressiv. Manche verweigern sich, ohne die Beamten zu attackieren. "Auch das fällt unter die Widerstandsdelikte", erläutert Bode.
(Quelle:Rhein-Zeitung 10.04.2011)
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