Montabaur -
Polizeistatistik 2010: Zurückgehende Fallzahlen, bessere Aufklärung, aber mehr Sexualdelikte
Die Gewalttaten nehmen ab, die Tötungsdelikte haben sogar den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren erreicht. Allerdings steigen die Sexualvergehen deutlich an. Diese Zahlen für das vergangenen Jahr hat jetzt die Polizei vorgelegt.
Gute Rahmendaten kann die Polizeidirektion Montabaur in ihrer Kriminalitätsstatistik 2010 vorweisen, die jetzt ausgewertet wurde. Insgesamt wurden in ihrem Zuständigkeitsbereich, der dem Westerwaldkreis und einem Großteil des Rhein-Lahn-Kreises entspricht, 10 457 Fälle registriert, exakt 338 weniger als im Jahr 2009. Die Aufklärungsquote ist gegenüber dem Vorjahr um 1,8 auf 65,4 Prozent gestiegen. Mit 7073 Tatverdächtigen bekam es die Polizei zu tun, was einen Rückgang um 393 bedeutet.
Rohheitsdelikte, also Straftaten, bei denen massive Gewalt gegen Menschen im Spiel war, sind um 6,4 Prozent zurückgegangenen, schwere Diebstähle um 4,5 Prozent. Bei den Straftaten gegen das Leben waren die Fallzahlen seit Beginn der Statistik im Jahr 1993 noch nie so niedrig: 2010 wurden lediglich sechs dieser Fälle verzeichnet. Bei Körperverletzung, Bedrohung und Raub wurden 164 Fälle weniger als im Vorjahr verzeichnet. Trotzdem liegt diese Zahl mit 2402 gegenüber der ersten Erfassung im Jahr 1993 mit 1064 weit über dem Doppelten.
Prostitution und Pornos
Der große Minuspunkt im Zahlenwerk für 2010 ist der Anstieg der Sexualdelikte um 8,5 Prozent und damit auf 243 Fälle gegenüber 2009. Kriminaldirektor Volker Schmidt wies bei der Vorstellung der Statistik außerdem darauf hin, dass die Dunkelziffer, also die Zahl der nicht angezeigten Geschehnisse, bei diesen Straftaten erfahrungsgemäß besonders hoch liegt. Laut Schmidt spielen die Förderung der Prostitution und der Kinderpornografie in dieser Deliktgruppe die größte Rolle. Es gebe aber auch Fälle von falschen Anschuldigungen.
Die Rauschgiftkriminalität scheint im Westerwald in etwa gleich geblieben zu sein, zumindest soweit die Polizei davon erfuhr. Die 1074 verzeichneten Fälle entsprechen fast exakt dem Niveau des Vorjahres. Davon war bei 470 Fälle mit Cannabis im Spiel.
Die Zahlen bei den einfachen Diebstählen, wie dem Ladendiebstahl, sind seit Jahren fast gleich geblieben. 2569 Fälle waren es im vergangenen Jahr. «Hier haben wir viele reisende Täter», berichtete Volker Schmidt. Vor allem in den Gemeinden an den Autobahnen schnelle dieser Wert nach oben.
Einbrecher auf Autobahn
In der großen Kategorie «Warenbetrug» mussten sich Polizei und Justiz um viele Fälle des Internetbetrugs kümmern. Vor allem wurden Waren bestellt und nicht bezahlt oder Waren bezahlt und nicht ausgeliefert. Die Schweren Diebstähle sind nicht nur gegenüber 2009 erheblich zurückgegangen.Gegenüber dem erste Erfassungsjahr 1993 beträgt ihre Anzahl mit 1319 nur noch etwas mehr als ein Drittel. Kriminaldirektor Schmidt führt dies auf die gute Aufklärungsarbeit seiner Kollegen und Investitionen in die Sicherheit zurück. Bei den Wohnungseinbrüchen steche der Fall eines jungen Mannes heraus, der als «Autobahntäter» gleich 30 Fälle in die Statistik einbrachte und diese auf 300 Fälle anwachsen ließ. Erfolgreich ist nach Einschätzung von Volker Schmidt die Aktion «Vorsicht, wachsamer Nachbar» gewesen.
«Wir haben das Sicherheitsgefühl verbessert. Müssen aber oft selber den Kopf für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger hinhalten», sagte Volker Schmidt . So wurden im vergangenen Jahr 63 Fälle von Widerstand gegen Polizisten gemeldet. Nicht in der eigentlichen Fallstatistik erfasst sind 144 Todesermittlungsverfahren, wenn eine Arzt einen auffälligen Tod feststellt, und 124 Vermisste.
(Quelle:Nassauische Neue Presse 10.04.2011)
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